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Januar Recap

  • antoniaknapp
  • 4. Feb.
  • 6 Min. Lesezeit

Der Januar war anders als alle anderen Monate meines Jahres hier, denn er fand nicht in Arequipa statt, sondern fast vollständig unterwegs. Rückblickend fühlt er sich weniger wie ein einzelner Monat an, sondern eher wie eine lange, dichte Reise, in der ein Erlebnis nahtlos ins nächste überging.


Begonnen hat alles erstaunlich ruhig. Die ersten Tage bestanden aus Packen, Ausschlafen und Abschieden. Meine Mitfreiwillige startete in ihren Urlaub, während ich am 03.01.26 bereits im Flugzeug saß – auf dem Weg in mein drittes südamerikanisches Land. In Chile traf ich eine Freundin, die ihren Freiwilligendienst in Argentinien macht, und gemeinsam starteten wir diese Reise in Santiago de Chile.

Santiago fühlte sich auf eine unerwartete Weise vertraut an. Es ist die europäischste Stadt, die ich bisher in Südamerika gesehen habe: modern, strukturiert und voller Dinge, die man aus Europa kennt. Besonders deutlich wurde das, als wir durch eine große Mall schlenderten und plötzlich vor deutschen Kosmetikmarken standen. Mit leuchtenden Augen kauften wir alles nach, was wir in Deutschland vergessen hatten oder was inzwischen leer war. Ein kleiner Moment Normalität, der sich fast surreal anfühlte.


Chile ist außerdem das einzige Land hier mit Ikea, was zwangsläufig zu einem Mittagessen dort führte. Nicht, weil es kulinarisch herausragend ist, sondern weil vertraute Geschmäcker manchmal einfach guttun. Santiago wurde für uns ein kleiner Europaurlaub auf Zeit: bekanntes Essen, bekannte Ketten, vertraute Abläufe. Sogar ein „Berliner Döner“ wurde ausprobiert – und enttäuschte auf ganzer Linie.


Nach vier ruhigen Tagen wurde es Zeit weiterzuziehen. Der Nachtbus brachte uns in 14 Stunden Richtung Süden nach Puerto Montt. Dort angekommen, fühlte sich alles plötzlich langsamer an. Die Stadt ist klein, der Hafen ruhig, und wir selbst waren irgendwo zwischen Ankommen und Weiterreisen. Direkt nach der Ankunft mussten wir noch in ein Sportgeschäft, da uns unter anderem eine Fleecejacke geklaut worden war – ohne sie wäre die Weiterreise eine eisige Angelegenheit geworden.


Da Puerto Montt für uns eher ein Zwischenstopp war, verbrachten wir viel Zeit mit Spazierengehen. Genau dabei wurden wir überrascht, als plötzlich Delfine im flachen Wasser nahe des Strandes auftauchten und dort spielten, als wäre es das Normalste der Welt. Nach eineinhalb ruhigen Tagen machten wir uns am 09.01. morgens auf den Weg zum Hafen, denn dort wartete die Navimag-Fähre, die uns in vier Tagen durch die Fjorde Chiles nach Puerto Natales bringen sollte.


Schon im Hafen fiel auf, dass es überall von Seelöwen wimmelte, die auf den Fendern schliefen oder in den kleinen Wellen spielten. Am ersten Tag wurden wir noch ein Stück von ihnen begleitet, bevor uns der kalte Seewind des Pazifiks entgegenschlug. In den folgenden Tagen spielte das Wetter nur bedingt mit, sodass man sich oft unter Deck aufhalten musste, während Wind und Regen immer stärker wurden.

Am zweiten Tag verließen wir am Nachmittag die geschützten Fjorde und fuhren hinaus auf den offenen Ozean. Der Wellengang ließ die Fähre bei geschätzten vier bis sechs Meter hohen Wellen ordentlich schwanken, was bei einigen Passagieren für leichte Übelkeit sorgte. Ich setzte mich dick eingepackt an eine halbwegs windstille Stelle an Deck und sah stundenlang einfach nur dem Meer zu. Am Ende wurde ich belohnt, als eine große Schule Delfine auftauchte, die uns ein Stück begleitete und in den Bugwellen spielte.

Die Tage vergingen zwischen Fjorden, Gletschern und grauem Himmel, während die Abende von Karaoke-Einlagen geprägt waren. Da wir den Altersdurchschnitt an Bord deutlich senkten, hatten wir besonders viel Spaß daran, den singenden Rentnern zuzusehen. Unser Plan, sie am nächsten Abend beim Bingo gnadenlos abzuziehen, ging zwar nicht auf, aber allein die Tatsache, dass wir uns freiwillig für diese Art von Reise entschieden hatten, sorgte für viele Lacher.


Als wir am letzten Tag schließlich in die sonnige Bucht von Puerto Natales einfuhren, machte uns der starke Wind erneut einen Strich durch die Rechnung: Der Kapitän konnte nicht anlegen, sodass wir bis 04:00 Uhr am nächsten Morgen warten mussten und eine zusätzliche Nacht an Bord verbrachten.


Nach der Ankunft ging es nur kurz ins Hostel, um das Gepäck abzustellen, bevor wir direkt weiter zum Busbahnhof fuhren. Spontan hatten wir entschieden, noch weiter in den Süden zu reisen – nach Punta Arenas, eine der südlichsten Städte der Welt. Monate zuvor hatte ich noch scherzhaft gesagt, dass ich sicher nicht bis nach Feuerland fahren würde, und doch stand ich plötzlich am Ufer und blickte über das Wasser. 25 Kilometer entfernt lag Feuerland, und in diesem Moment war ich einfach nur stolz, so weit unten auf unserer Weltkugel zu sein.

Am nächsten Morgen begann eines der anstrengendsten Kapitel der Reise: die Wanderung zu den Torres del Paine. Unser anfängliches Selbstvertrauen hielt nur kurz. Bereits die ersten Kilometer Steigung brachten uns ordentlich an unsere Grenzen, doch Schritt für Schritt kämpften wir uns weiter nach oben. Nach 9,8 Kilometern Aufstieg standen wir schließlich vor den Torres, die sich über einen türkisblauen Bergsee erhoben. Der Rückweg zog sich, die Knie meldeten sich, und wir kamen nach 21 Kilometern, 980 Höhenmetern und 9,5 Stunden völlig erschöpft am Parkplatz an.

Der nächste Tag bestand aus Muskelkater an Stellen, von denen wir nicht einmal wussten, dass es sie gibt. Trotzdem saßen wir am darauffolgenden Morgen bereits wieder im Bus, diesmal auf dem Weg nach El Calafate in Argentinien. Dort besuchten wir den Perito-Moreno-Gletscher, der für uns eines der größten Naturhighlights der gesamten Reise wurde. Eine riesige Eiswand, mehrere Kilometer lang und etwa 40 Meter hoch, die so surreal wirkte, dass man ihre Dimensionen kaum begreifen konnte.

Nach einer Nacht am Flughafen in Santiago und einem frühen Flug nach Calama erreichten wir schließlich San Pedro de Atacama – und damit eine völlig neue Welt. Die Tage waren heiß und stickig, und durch die extreme Hitze ließ sich der Tag nicht vollständig nutzen. Schon am nächsten Tag nahmen wir an einer Tour ins Valle de la Luna teil. Umgeben von einer atemberaubenden Landschaft spürten wir den kühlen Wind auf der Haut und die feinen Sandkörner, die er mit sich trug. Besonders beeindruckend war die Erkenntnis, dass ein Großteil der Wüste aus Salz besteht. An alten Abbaupunkten konnte man hören, wie das Salz durch die Temperaturunterschiede ständig arbeitet, bricht und knackt.

Am folgenden Morgen ging es früh los zu den versteckten Salzlagunen. Mitten in einer unscheinbaren Ebene lagen sie plötzlich vor uns, verbunden mit dem Grundwasser. Nicht nur die Farben waren beeindruckend, sondern auch das Gefühl, im extrem salzigen Wasser zu schweben. Müde und mit Salz bedeckt kehrten wir zurück und ruhten uns aus, denn eigentlich war für die Nacht eine Astronomietour geplant – doch aufziehende Gewitterwolken machten uns einen Strich durch die Rechnung.

Am nächsten Tag warteten wir im Hostel auf die Nacht, in der unser Bus nach Uyuni, Bolivien, fahren sollte. Die Hitze des Tages wich erneut einem Gewitter, das diesmal stärker ausfiel als zuvor. Regen prasselte auf unser Zelt, was zunächst kein Problem war, bis wir nicht bemerkten, dass ein eigentlich trockener Fluss über die Ufer trat. Innerhalb von Sekunden stand das Wasser knöcheltief im Zelt und stieg an manchen Stellen bis zu den Knien. Alles wurde geflutet, und wir brachten unsere Sachen in Sicherheit, während wir schließlich in den Hütten auf dem Berg abwarteten.

Gerade als wir wieder über die Situation lachen konnten, erfuhren wir, dass die Grenze zu Bolivien wegen der Unwetter geschlossen sei. Ohne WLAN und mit kaum Empfang blieb uns nichts anderes übrig, als nachts um 02:30 Uhr zum Busbahnhof zu gehen und zu hoffen. Glücklicherweise klärte sich alles, auch wenn uns eine endlos lange Busfahrt erwartete, da alle Fahrzeuge den einzigen offenen Grenzübergang nutzten. Stundenlanges Warten gehörte dazu, doch schließlich erreichten wir hundemüde unsere letzte Etappe des Reisemonats.


Am nächsten Morgen ging es direkt weiter zur Salzwüste von Uyuni. Diese ist die größte Salzwüste der Welt, und da gerade Regenzeit war, stand sie vollständig unter Wasser – und verwandelte sich damit in den größten Spiegel der Welt. So weit man auch blickte, verlor sich der Horizont in der Spiegelung. Während wir langsam mit dem Jeep über die Fläche fuhren, Fotos machten und schließlich mit einem Glas Wein den Sonnenuntergang betrachteten, waren wir uns alle einig: Es hätte kein würdigeres Ende für diesen Reisemonat geben können.


Es folgte nur noch die lange Busfahrt zurück nach Arequipa, begleitet von der Sorge, dass Proteste in Bolivien unsere Rückreise erschweren könnten. Doch wir kamen gut durch und nutzten die letzten Tage vor Arbeitsbeginn, um uns auszuruhen – Urlaub vom Urlaub zu machen.

Mit unzähligen Eindrücken und über 5000 neuen Bildern in meiner Galerie ist nun bereits der erste Monat des Jahres 2026 vorbei.


Mehr Bilder findet ihr auf meinem Instagram in den jeweiligigen Highlights.

 
 
 

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