
Dezember Recap
- antoniaknapp
- 7. Jan.
- 6 Min. Lesezeit
Der letzte Monat des Jahres 2025 – und es ist mal wieder so viel passiert. das Leben wird hier nie langweilig.
Ich bin in den Weihnachtsmonat gestartet, indem ich das erste Mal selbst gebrannte Mandeln gemacht habe, um ein wenig der weihnachtlichen Gerüche und Geschmäcker Deutschlands hier nach Arequipa zu bringen.
Die Mandeln kamen bei allen so gut an, dass es nicht das einzige Mal blieb, dass ich welche gemacht habe. Da die Schule Mitte des Monats für die Schüler endet, bestanden die letzten zwei Wochen aus ganz vielen Bastelstunden, damit die Kinder für ihre Familien Geschenke basteln konnten. Die dritte Klasse hat außerdem aus ihrem selbst angebauten Weizen Brot gebacken – und ich mitten drin.
Zwischendrin habe ich die Klassenbilder gemacht und angefangen, den Geburtstag meiner Mitfreiwilligen zu planen.
Dann kam es zu meiner letzten Deutschstunde in diesem Jahr, und ich habe in den letzten Wochen für die ganze dritte Klasse Armbänder in ihren Lieblingsfarben geknüpft. Außerdem habe ich sie „Freundschaftsbuch“-Seiten ausfüllen lassen, die ich selbst gestaltet habe. Und wenn man nach den Angaben der Kinder geht, werde ich eine millionenschwere Lehrerin. Zusätzlich kommen einige Drittklässler nächstes Jahr nicht mehr wieder, und daher habe ich meine Peru-Flagge mitgebracht, damit alle unterschreiben können.
Auch diesen Monat gab es wieder einige Konzerte, darunter viele Weihnachtskonzerte, mit anschließendem Pizzaessen. Erkenntnis: Pizza á la Carbonara schmeckt nicht ganz so gut wie vorgestellt.
Dann waren hier in Peru der 08.12.–09.12. Feiertage, die wir direkt genutzt haben, um einen Mädelstrip in den Colca Canyon zu machen. Der Colca Canyon gehört zu den sechs tiefsten Canyons der Welt und ist unter anderem bekannt für das „Cruz del Cóndor“ – ein perfekter Ort, um Andenkondore zu sehen.
Auf der Hinfahrt haben wir bereits riesige Herden freilebender Vikunjas und Alpakas gesehen, die am Straßenrand das wenige Grün der steinigen Vulkanebene fraßen.
Nach drei Stunden wurden die Berge immer höher, und wir näherten uns der kleinen Stadt Chivay. Dort vertraten wir uns zuerst einmal die Füße, bevor wir uns auf den Weg in den Nachbarort machten, wo wir in ein kleines, aber super süßes Hotelzimmer einzogen. Schnell umgezogen, machten wir uns auf zu den heißen Thermalbädern. Und eins kann man sagen: Wenn man der absolute Bademensch ist und ein Jahr lang nur noch duschen kann, ist das die größte Wohltat. Nach ein paar schönen Stunden kehrten wir kurz zum Hotel zurück, um zu duschen und danach zum Abendessen zu fahren. In einem kleinen Restaurant gab es etwas Heißes zu trinken, denn es war in der Zwischenzeit unheimlich kalt geworden. Die Pizza wurde mit dem Kind der Kellnerin geteilt, das wir viel zu schnell ins Herz geschlossen hatten. Da es eisig kalt war, fuhren wir abends schnell wieder ins Hotel und wollten eigentlich noch einen Film schauen, aber durch die Fahrt und das heiße Bad sind alle außer einer innerhalb von zehn Minuten eingeschlafen.
Am nächsten Morgen sind wir früh aufgestanden und nach einem kurzen Frühstück losgefahren, denn die Kondore verlassen ihren Horst recht früh. Nach einer recht langen Autofahrt, die uns immer höher und tiefer in den Canyon führte, schwand mit jedem Meter unser Handysignal – und die Freude stieg, die riesigen und seltenen Vögel in freier Wildbahn zu sehen.
Oben angekommen, mussten wir recht lange warten, aber nach 20 Minuten flogen 3–4 Kondore ununterbrochen aus ihrem Horst, der direkt an der Felswand unter uns lag, quer über unsere Köpfe hinweg in den Canyon. Glücklich und überwältigt kehrten wir nach zwei Stunden zum Auto zurück – nur um dann den Schock zu erleben, dass wir vergessen hatten, das Autolicht auszumachen. Die Batterie war leer. Da die Zeit der Kondore auch schon vorbei war, war der Parkplatz super leer – und jemanden zu finden, der uns helfen wollte, stellte sich als schwieriger heraus als erwartet.
Nachdem wir (die „Gringas“… die blonden Mädels) allein fragen gegangen sind, wurde uns endlich geholfen. Sehr bedacht, das Auto nicht auszumachen, fuhren wir wieder runter ins Dorf. Unterwegs machten wir noch einen Stopp, um einen typischen Schlüsselanhänger für die Reisesammlung zu kaufen und ein Foto mit dem Alpaka „Chocolate“ zu machen.
Wieder in Chivay wurde noch zu Mittag gegessen und ein Powernap im Auto gemacht, bevor wir die drei Stunden zurück nach Arequipa antraten. Mit guter Musik und guter Laune wurde die Rückfahrt ein Mix aus Carpool Karaoke, Fotoshootings mit Alpakas und Staunen über den atemberaubenden Sonnenuntergang, der uns nach Arequipa begleitete. Zum Abschluss der Reise haben wir uns noch einmal mächtig verfahren, weil wir eigentlich eine Abkürzung zum Abendverkehr nehmen wollten… Am Ende waren wir bestimmt länger unterwegs, haben aber Ecken gesehen, die selbst die Arequipeñas noch nicht kannten.
Am nächsten Tag stand direkt wieder Schule an, und die Erstklasslehrerin steckte im Stau fest, sodass ich den Tag mit den Kids beginnen musste.
Schon sehr schnell war die Schulzeit für die Kinder vorbei, und am letzten Schultag vor den Ferien – hier sind Sommer- und Weihnachtsferien gleichzeitig – durften natürlich auch die Oberuferer Weihnachtsspiele nicht fehlen. Allerdings nur die einfache Version, da sie nur eine Übersetzung des Christgeburtsspiels haben. Da es aber eine direkte Übersetzung war, hatte ich meinen Spaß, bei all den Liedern im Kopf auf Deutsch mitsingen zu können.
Dann stand der 7. Geburtstag meines Gastbruders auf dem Plan. Es wurden super viele Menschen eingeladen, und es gab viele lustige Gespräche mit den Eltern, die man peu à peu immer besser kennenlernt. Doch bei einer Party sollte es nicht bleiben, denn dann sind wir auf ein Musikfestival gegangen – was allerdings nicht so spannend war wie der Geburtstag eines Freundes, wo der Tag mit sehr viel Tanz endete.
Nach der Schule ist vor der Schule – und diese Schule muss den Standort wechseln. Also standen wir Montagmorgen wieder auf der Matte, um zu packen und abzubauen. Es war wohl der schlecht organisierte Umzug der Nation. Ich bezweifle, dass ich noch einmal etwas Schlechteres sehen werde.
Das führte auch dazu, dass ein LKW bestellt wurde, aber niemand eine Idee vom „sinnvollen“ Beladen hatte. Also haben meine Mitfreiwillige und ich versucht, unsere Tetris-Künste zum Besten zu geben. Es ging deutlich mehr in den LKW, als gedacht.
Nach der Arbeit kommt bekanntlich das Vergnügen, und wir hatten eine Weihnachtsfeier mit den Mädels geplant, für die ich Spätzle mit Käse und Zwiebeln machen wollte… Sagen wir so: die peruanischen Zutaten, die Höhe und der Herd sind schuld. Es wurde keine Glanzleistung, aber lecker. Da ich auch unbedingt Eierpunsch trinken wollte, es hier aber nirgendwo Eierlikör gibt, wurde dieser kurzerhand selbst gemacht – und dabei haben wir uns schon ein bisschen mehr mit Ruhm bekleckert.
Ein unglaublich lustiger Abend wurde es allemal.
Die nächsten Tage ließen dann endlich ein wenig Ruhe einkehren. Endlich Zeit zum Ausschlafen, viele Kuschelstunden mit meiner Imilla und kleinere Ausflüge – zum Beispiel zur Weihnachtsferia, um noch kleine Tiere für die Krippe zu kaufen – oder die letzten Weihnachtskonzerte der Zwillinge.
Dann kam auch schon der 24. Und während ich Bilder von meiner Familie aus Deutschland erhielt, war der ganze Tag bei uns super ruhig. Ich hatte keinen Plan, wann was passieren würde – das Motto war demnach: abwarten, was passiert.
Am Abend verbrachten wir gemeinsam Zeit im Wohnzimmer, bis es 12 Uhr schlug – und plötzlich ganz Arequipa den 25. Dezember wie Silvester einleitete. Nachdem der Himmel kurz erleuchtet war, gingen wir als ganze Familie von Krippe zu Krippe, und derjenige, der dort wohnte, sprach ein kleines Gebet, wofür er dieses Jahr dankbar ist, und seine Wünsche für das folgende Jahr. Dabei wurden auch ein paar Worte über uns gesagt, die mir fast die Tränen in die Augen trieben. Danach wurden noch nachts Geschenke verteilt. Auch ich habe unerwarteterweise ein paar super süße Geschenke bekommen.
Am nächsten Tag kam dann ein Teil der Familie, um gemeinsam Truthahn zu essen.
Am Abend habe ich dann meine Backskills ausgepackt und eine Linzertorte gebacken, die – trotz vieler fehlender Grundzutaten – ein voller Erfolg wurde und genauso geschmeckt hat, wie sie sollte. Denn kurz danach stand schon der Geburtstag meiner Mitfreiwilligen an, den wir wie einen richtig coolen Tag geplant hatten. Am Nachmittag waren wir im Kino und haben Avatar gesehen – und ich muss zugeben, meine Naivität dachte, er wäre im Original Englisch. Aber nein… Avatar auf Spanisch ist doch nochmal ein anderes Vokabular.
Am Abend haben wir dann eine Überraschungsparty geschmissen und mit unseren Freunden noch lange in die Nacht gefeiert.
Der nächste Tag war dann kräftemäßig eine Herausforderung, da eine Cousine aus den Staaten mit ihrer Tochter zu Besuch kam – und die wollten natürlich alle sehen. Also wieder Familienessen mit 25 Personen.
Viele Feiern und erinnerungswürdige Momente später ging nun 2025 so langsam zu Ende. Am 31.12. standen wir auf dem Dach des Hauses und sahen Arequipa in bunten Farben aufleuchten.
Glücklich und erwartungsvoll starten wir nun in ein neues Jahr – und schauen wir mal, was der Januar mit sich bringt. So viel kann man aber sagen: Langweilig wird’s hier in Arequipa nie. Obwohl ich wohl weniger aus Arequipa zu erzählen haben werde…













































mit Ruhm bekleckert oder mit Rum bekleckert? 😅😘