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März Recap

  • antoniaknapp
  • 10. Apr.
  • 4 Min. Lesezeit

Willkommen zurück im beginnenden Herbst in Peru.

Allerdings mit dem Unterschied, dass Herbst hier trotzdem bedeuten kann, dass man bei 27 Grad und strahlender Sonne am Strand liegt und sich einen Sonnenbrand holt. Genau so sind wir nämlich in den März gestartet – mit einem spontanen Strandtag. Der Strand ist etwa zwei bis drei Stunden von der Stadt entfernt. Auf dem Rückweg wurden daraus allerdings sieben Stunden, da es einen Unfall gab und sich ein riesiger Stau bildete. Dadurch musste ich am nächsten Tag nicht arbeiten, weil wir erst spät in der Nacht wieder zu Hause ankamen.



Die nächsten Tage in der Schule bestanden aus viel Gartenarbeit. Dabei zog man sich die eine oder andere Blase an der Hand zu, weil wir mit einer Gartenschere die gesamte Graskante am Gehweg nachgeschnitten haben – Arbeit, die am nächsten Tag mit einer Maschine noch einmal erledigt wurde.


Auch wenn ich sie nicht jeden Tag bewusst wahrnehme, bin ich doch jedes Mal wieder erstaunt über die wunderschönen Sonnenuntergänge über der Stadt.



Lustig wurde es auch, als wir in der Schule eine Brandschutzschulung hatten und einige von uns zum ersten Mal einen Feuerlöscher in der Hand hielten.


Es folgte ein Arbeitstag der Eltern in der Schule. An diesem Tag wurden alle Stühle per Hand abgeschliffen und anschließend neu geölt.



Bei einer spontanen Shoppingtour mit den Mädels stand ich teilweise lachend vor den Regalen: Ich fand tatsächlich Frosch-Putzmittel, die allerdings nicht übersetzt waren, sondern einfach als „Allzweckreiniger“ verkauft wurden. Noch größer wurden meine Augen, als ich sogar Häagen-Dazs-Eis entdeckte.



Nach einem sehr interessanten Online-Seminar zum Thema Arbeit mit Kindern mit Assistenzbedarf begann für mich eine kleine Backphase. Ich fing an, immer mehr deutsches Gebäck zu backen – angefangen mit Franzbrötchen, die unglaublich gut ankamen. Kurz vor Ostern waren jedoch die Osterzöpfe das absolute Highlight.



Bei einem Online-Elternabend musste ich schließlich über meinen Schatten springen und mich vor der gesamten Elternschaft als neue Englischlehrerin vorstellen. Die letzten Tage vor dem ersten Schultag bestanden deshalb aus Unterrichtsvorbereitungen, spontanen Änderungen und viel Malen und Häkeln – besonders dann, wenn man plötzlich in der ersten Klasse mit einer Handpuppe arbeiten möchte, aber noch gar keine besitzt.


Der erste Schultag startete für mich direkt mit der sechsten Klasse. Dort begannen wir damit, das gesamte Vokabular zu wiederholen und wieder aufzufrischen – genauso wie in den folgenden Tagen mit der fünften und vierten Klasse. Insgesamt macht mir der Unterricht unerwartet viel Spaß, und langsam habe ich eine Routine entwickelt, die alles einfacher, ruhiger und strukturierter macht.


Das Highlight des Monats war jedoch der Geburtstag einer der Mädels von zu Hause. Am Abend vorher trafen wir uns mit ihren Freunden in einer Bar und tanzten bis früh am Morgen. Ich und eine der Zwillinge blieben sogar noch länger als alle anderen auf der Tanzfläche. Das führte zwar zu wenig Schlaf am eigentlichen Geburtstag, aber auch zu vielen schönen Gesprächen mit der Familie und einem gemütlichen Grilltag.



Nur wenige Tage später erreichte mich die Nachricht, dass schon bald ein neuer Freiwilliger ankommen und ebenfalls bei uns wohnen würde. Deshalb bat ich ihn, mir aus Deutschland einen neuen Koffer mitzubringen, der mit Dingen gefüllt wurde, die ich seit Monaten vermisst hatte. Auch einige Arequipeños nutzten die Gelegenheit, um günstige Sonnencreme von dm oder Kinderschokolade zu bestellen, die es hier in Peru nicht gibt.


Da zwischenzeitlich zwei deutsche Jugendliche zu Besuch kamen, machten wir an einem Wochenende eine kleine Arequipa-Tour und besuchten auch Orte, an denen ich selbst noch nicht gewesen war.


Wir starteten in La Molina de Sabandía, einer alten Mühle, wo mich tatsächlich ein Lama anspuckte. Danach fuhren wir zum Mirador de Yanahuara, wo wir für die Deutschen sogenannte arequipeñische „Reisepässe“ kauften. Die Arequipeños haben seit dem 19. Jahrhundert sowohl einen großen Stolz als auch einen humorvollen Mythos entwickelt, dass Arequipa eigentlich gar nicht Peru sei, sondern ein eigener Staat. Aus diesem Scherz entstand der inoffizielle Arequipa-Reisepass.



Zum Mittagessen probierten wir Meerschweinchen (Cuy). Das Fleisch ist unglaublich zart und schmeckt tatsächlich sehr gut, doch die Zubereitungsart fordert das eigene Moralgefühl etwas heraus. Traditionell wird das Tier komplett zwischen zwei Steinen flach gedrückt und anschließend frittiert oder in viel Fett gebraten. Dabei bleiben alle Knochen und Körperteile erhalten. Wenn dann ein kleines Tier mit Kopf und großen Schneidezähnen auf dem Teller liegt, fällt es schwer, ganz unbefangen zu essen. Der Kopf gilt hier als das leckerste Stück und als Zeichen von Respekt gegenüber dem Tier, dass man alles isst – aber das konnten wir einfach nicht übers Herz bringen.



Nach dem Mittagessen ging es zu einem weiteren Aussichtspunkt. Aufgrund der Wolken hatten wir allerdings keinen besonders spektakulären Blick auf die Vulkane. Anschließend besuchten wir das Kloster Santa Catalina, wo an diesem Abend ein Candlelight-Konzert stattfand. Das gesamte Kloster war mit Kerzen geschmückt, und wir konnten dort einen atemberaubenden Sonnenuntergang über der Stadt erleben, bevor wir den Abend mit einem Stück Kuchen ausklingen ließen.



Zum Abschluss des Monats backte ich mit den Kindern in der Schule – anstatt Englischunterricht zu machen – gemeinsam Osterzöpfe. Die kamen bei den Kindern unglaublich gut an.


Und so ging ein ruhiger, aber wunderschöner März zu Ende und leitete ein paar entspannte Tage zur Osterzeit – oder besser gesagt zur Semana Santa – ein.

 
 
 

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